Ach, Sie sind selbständig? Das tut mir leid!

Ich wollte schon lange selber Spiele entwickeln. Doch der PC Markt war tot, für Konsolen zu entwickeln war viel zu teuer, und ohne einen Publisher konnte man dort eh nix veröffentlichen. Ausserdem steckte ich schon länger in einer Werbeagentur fest und sich zu verändern fiel mir mit meiner ganzen Lebenssituation gar nicht so leicht.

 

2010 aber hatte ich Facebook und mein iPhone 3G bereits intensiv genutzt und dazu verstanden, dass dort jeder frei und weltweit veröffentlichen kann, und dass man dort mit 'kostenlosen' Games jede Menge Geld verdient. Das sah ich als meine Chance und fühlte mich durch meine Agenturerfahrung und meine Kontakte in die Gamesbranche bestens gewappnet, ohne jegliche Programmierkenntnisse und ohne ein schöpferische Talent für Grafikdesign trotzdem alles in die Wege leiten zu können, um tolle Spiele zu produzieren.

 

Los geht's: 

Nach einigen Gesprächen mit meiner Frau, ob wir uns das Risiko 'Selbständigkeit' mit 2 Kindern und jeder Menge Belastungen zumuten sollten, hatten wir uns glücklicherweise dafür entschieden. Ich war sehr froh ihre Unterstützung dazu zu erhalten!

Alles klar, Games machen wir! Was brauchen wir denn nun alles um starten zu können, eine kurze Checklist dazu:

  • Firmennamen
  • Ausrichtung
  • Businessplan
  • Kapital
  • evtl. einen Publisher
  • Büroräume
  • Hardware
  • Leute, die die Spiele mit uns entwickeln
  • und...achja...Spielkonzepte!

Der Firmenname stand bei mir an erster Stelle. Es war für mich sehr wichtig über den Namen ein Bild für die Art der Spiele zu kommunizieren, die wir produzieren wollen. Ich erstellte eine Mindmap mit vielen verschiedenen Namensrichtungen, darin sammelte ich aus heutiger Sicht merkwürdige Vorschläge wie z.B. 100K Indie Avenue oder auch Luigi's Game Barn. Es gab aber auch Varianten in den Richtungen 'Pop' und 'Rockets'. Meine Frau Isabel kam dann letztlich auf die großartige Kombination 'Pop Rocket Games', die es dann final auch geworden ist.

Die ersten Spielkonzepte

Der Name und die Ausrichtung Social und Mobile Games war nun klar. Jetzt benötigten wir Konzepte, die interesant sind und aus unserer Sicht ne Chance haben Geld zu verdienen. Die besten Ideen kamen mir dabei Nachts, wenn ich am Bett meiner Kinder war und darauf gewartet hatte, dass sie wieder einschlafen.

 

Mini Me

Die erste Idee war dabei sogar kein Spiel, sondern ein Multiplattform-Avatar-Editor: Mini Me

Universal Avatar-Konzept: Mini Me
Universal Avatar-Konzept: Mini Me

Ich bin ein Fan der Xbox 360-Avatare und auch der freischaltbaren Erfolge (Trophäen bei der PS3). Man kann sich dabei als Figur herrlich nachbauen und immer wieder neu stylen. Das System der Erfolge/Trophäen motiviert dazu zusätzlich. Leider sind diese Avatare/Erfolge an die jeweilige Plattform gebunden, ich kann meinen Xbox Avatar nicht mit zur PlayStation mitnehmen und auch nicht zum Account bei Steam oder als Avatar auf Facebook. Da setzte meine Idee zu 'Mini Me' an, ein Avatar-Editor, umgesetzt in Unity, der es einem erlaubt seinen Avatar überall hin mitzunehmen und auch direkt als Spielfigur einzusetzen. Ich finde die Idee auch heute noch gut und unser Mockup dazu (siehe oberes Design) ist immer noch recht schick (Danke dazu an den Designer Daryl Roske). Ich konnte von Mini Me aber niemanden aus meinem Bekanntenkreis so recht überzeugen, daher wanderte die Idee erstmal nach hinten.

 

Typing Tales

Auf einer LAN-Party hatte jemand ein Typing of the Dead dabei. Eine Variation eines bekannten Lightgun-Shooters, bei der man die Zombies nicht mit einer Lightgun erledigte, sondern durch die Eingabe von eingelbendeten Wörtern. Tolle Idee! Das hatte mir so gut gefallen, dass ich unbedingt auch ein Spiel dazu machen wolte. Das erste Setting dazu war eine Art 'Team America' mit Marsianern, die die Menschheit verdummen wollen und uns dazu unseren Wortschatz rauben. Damit wir die Erde retten können, müssen wir uns wieder an die Worte erinnern. Dazu wurden von den Marsianern Sachen und Lebewesen hochgebeamt, z.B. eine Kuh, und nur durch Eingabe des zugehörigen Wortes, konnte man eben diese Sache retten. Zu diesem Zeitpunkt hiess das Spiel noch 'Type Attacks'. Das Designbeispiel dazu war grausam umgesetzt:

Erstentwurf: Type Attacks
Erstentwurf: Type Attacks

Das martialische Setting und insbesondere der Look haben mir selber natürlich gar nicht gefallen. Die Idee war insgesamt gar nicht rund. Ich hatte da noch lange Zeit dran gegrübelt, was ich alles ändern möchte und bin dann erst später auf die Idee gekommen, dass es für ein Social Game besser wäre, wenn das Spiel natürlich auch für eine universellere Zielgruppe geeignet wäre. Also habe ich mich von meinem bisherigen Design mit jeder Menge Action, netter Levelideen und allem drumherum gelöst und ein neues Konzept draus geformt. Basierend auf einem niedlichen Fuchs, der gerne Kurzgeschichten erzählt, der aber seine Gedanken nicht immer fassen kann und dem man als Spieler dabei hilft, die richtigen Worte zu finden. Typing Tales!

Finales Design: Typing Tales
Finales Design: Typing Tales

Typing Tales habe ich zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich umgesetzt. Es ist sehr schön geworden, und hat sogar eine Nominierung zum besten Kinderspiel beim Deutschen Entwicklerpreis 2011 erhalten. Aber aufgrund des nachfolgenden Konzepts und dessen Werdegangs ist es nie so richtig gestartet.

 

CopaSocca

Ich spiele regelmäßig Fußball und liebe diesen Sport. Aber mit der Bundesliga konnte ich noch nie wirklich etwas anfangen. Klar bin ich Lokalpatriot und halte immer zu den Hamburger Vereinen. Doch mich konnten Fußballmanagerspiele nur leicht unterhalten, denn die Mannschaft war mir dann doch recht egal. Mich hat das selber spielen wesentlich mehr interessiert. Immer wenn ich im TV Fußball sehe, möchte ich sofort selber auf den Platz und so gut spielen können wie die Profis. Aber das kann ich leider nicht. Doch eine Fußballerkarriere hätte ich schon gerne erlebt! Und das war auch mein Ansatz zu meinem dritten Spielkonzept, das ich damals noch 'Player Manager PRO' getauft hatte. Um die Idee dazu zu transportieren, hatte mein Freund Daryl mir einen Spot von Nike gezeigt, der es auf den Punkt trifft:

 

Player Manager PRO sollte ein Spiel auf Facebook werden, bei dem man keine Mannschaft managed, sondern sich selbst als Spieler. Ein Rollenspiel bei dem man seine eigene Karriere vom Bolzplatz bis in die Champions League spielen kann. Dabei ist mein kein Joypad-Akrobat, sondern trifft seine Entscheidungen nur mit der Maus in Menüs. Mein Ansatz war, dass Casual und Social Gamer ja nur ca. 5 Minuten am Stück mal eben spielen wollen. Dabei wollen sie ihren Spieler trainieren und verbessern, und dann in der Mittagspause mal eben gegen einen anderen antreten lassen. Ein typisches HTML-RPG im Fußball-Setting mit asynchronem Multiplayer.

Erster Konzeptentwurf zu Player Manager PRO
Erster Konzeptentwurf zu Player Manager PRO

Den Namen änderte ich recht schnell auf 'SoccerStar', das fand ich treffender. Als 'SoccerStar' präsentierte ich das Spiel dann auf diversen Veranstaltungen. Ein paar Monate später aber, kündigte sich Playa Games aber mit der gleichen Idee an: Kicker Star! Das war für mich ein kleiner Schock, denn auch deren Beschreibungstexte haben sich exakt wie meine gelesen. Das Spiel hieß zwar Kicker Star, aber im HTML-Header stand tatsächlich 'Soccerstar', genau wie meins. Da war mir also jemand zuvorgekommen, ein echt doofes Gefühl. Aber egal, ich habe mich davon nicht abbringen lassen. Wir haben uns dann mit meinem Partner Bernd für einen anderen Namen entschieden, es sollte internationaler klingen und ein richtiger Eigenname werden: 'CopaSocca'. Wir arbeiteten natürlich auch schon an einem richtigen Designentwurf, den wieder mein guter Freund Daryl Roske erstellte:

Finales Design: CopaSocca
Finales Design: CopaSocca

Gründungsschwierigkeiten

Als ich die Konzepte geschrieben hatte und den konkreteren Plan zur eigenen Firma entwarf wurde mir klar, dass ich das nicht alles alleine machen möchte. Ich hatte ja noch gar keine Ahnung von der Selbständigkeit, von hartem Business, von Investoren etc. pp. Ich war auf der Suche nach einem Partner, der mich beraten kann und der zudem bereits über nützliche Kontakte verfügt. Ich verabredete mich dazu mit Bernd Sanmann, dem ehemaligen Kreativ-Geschäftsführer der Agentur in der ich zuvor gearbeitet hatte. Bernd war von meinem Geschäftsmodell zum Glück gleich überzeugt. Wir hatten jahrelang zusammengearbeitet, harmonierten gut und kannten uns gut - das waren die besten Voraussetzungen. Bernd half mir die für den Anfang nötigen Schritte vorzunehmen, er unterstützte mich auch tatkräftig bei der Suche nach Investoren, die uns helfen sollten CopaSocca zu finanzieren. 

Der nächste Schritt war nun eine Firma zu gründen. Es bot sich dazu als Rechtsform eine UG (haftungsbeschränkt) an. Die UG bietet beschränkte Haftung, basiert auf dem GmbH-Gesetz und bedarf einer Einlage weit unter 25.000 EUR. Man kann eine UG mit sehr wenig Kapital gründen und über die hoffentlich nachfolgenden Gewinne dann nach und nach auf ein Stammkapital von 25.000 EUR ausbauen, um sie dann in eine vollwertige GmbH umzuwandeln. Die Umwandlung ist dabei bereits mit der Hälfte von 12.500 EUR möglich (birgt dann aber im vorzeitigen Insolvenzfall das Risiko, dass man persönlich für die noch fehlenden bzw. restlichen 12.500 EUR aufkommen muss). 

Damit wir starten konnten benötigte ich meinen Teil der Stammeinlage, ich hatte aber leider keine Rücklagen dazu. Daher bin ich zu meiner Hausbank gegangen, der Hamburger Sparkasse. 

 

Ich habe mein Sparkassen-Konto während eines Banküberfalls eröffnet. Meine Kundenberaterin und ich waren dabei leider die einzigen in der Bank, die durch unsere Konzentriertheit nix mitbekamen - was der ermittlende Kommissar kaum glauben konnte! Ich habe den Banküberfall daher selber nur als Bericht im TV erleben können, obwohl ich selber in der Bank gesessen hatte :-) Weiter im Text: Ich habe mein Dispo artig abbezahlt, wenn ich überziehen musste. Habe Versicherungen und Darlehen bei der HaSpa abgeschlossen, habe immer alles bezahlt. Ich hatte mir nix zu Schulden kommen lassen. Als ich aber bei der HaSpa dann für meine anstehende Gründung über einen Überbrückungskredit in Höhe von 10.000 EUR vorstellig wurde, hatte ich doch einen schweren Fehler gemacht:

Ich hatte gesagt, wofür ich das Geld wirklich brauche!!


Tja, denn ist man erstmal selbständig leiht einem niemand mehr so einfach Geld wie in einem Angestelltenverhältnis! Erst recht nicht, wenn man digitale Produkte erzeugt, die man im Falle einer Insolvenz nicht mal eben wieder zu Geld machen kann:

"Was machen Sie denn? Software. Nein, das finanzieren wir als Bank nicht."

"Sie möchten hier bei uns im Saturn eine 0%-Finanzierung für Ihr Notebook? Ja, aber gerne. Wo sind sie angestellt? Selbständig? Das tut mir leid, da kann ich ihnen nicht helfen, haben sie Bargeld?" 

"Schicken Sie uns erstmal ihren kompletten Business Plan zu, dann entscheiden wir. Hm, nach Duchrsicht des Business Plans müssen wir ihnen leider mitteilen, dass wir Spieletwicklungen nicht finanzieren."

Und so weiter und so fort...

Mein Kundenberater bei der HaSpa meinte bei der Absage dann allen Ernstes im Kumpelton: "Du, aber wenn Du sonst mal Hilfe brauchst, dann meld dich, ok? Wir können immer was möglich machen!" Achso...

 

Ich habe schon wieder soviel geschrieben, daher pausiere ich nun und schreibe einen zweiten Teil, der dann ins Eingemachte geht:

Businessplan und Finanzierung, Akquise von Partnern und Investoren, der Startschuss von CopaSocca, Probleme in der Entwicklung, Neustart und Lukas Podolski, der harte Kampf um Reichweite

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Kommentare: 2
  • #1

    Alexander Koenig (Freitag, 04 Oktober 2013 19:12)

    Jaja, der FC Trumpfass :)

  • #2

    David Morgan (Mittwoch, 30 September 2015 03:15)

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